CareInfo feiert seinen ersten Geburtstag!

Die Informations- und Austauschplattform ging genau vor einem Jahr am 19. November 2013 mit einem Grusswort von Stadtpräsidentin Corine Mauch online. Zahlreiche Personen aus der ganzen Schweiz besuchen seither regelmässig die Webseite und lassen sich per Newsfeed die aktuellen Beiträge senden. Doch nicht nur im Inland ist das Interesse gross, auch im Ausland nutzen Interessierte das Informationsangebot, beispielsweise in Deutschland, Polen und Ungarn. Im Forum tauschen sich bislang rund 50 Arbeitnehmerinnen untereinander aus. Nicht zuletzt freut sich die Fachstelle für Gleichstellung der Stadt Zürich, die Initiantin und Hauptträgerin von CareInfo, über drei neue Mitträgerschaften: die Stadt und der Kanton Bern sowie die Kantone Aargau und Basel-Stadt. Diese haben die Dringlichkeit des Themas und den Nutzen einer solchen Plattform erkannt und sich dem Projekt angeschlossen. Weshalb die Mitträgerschaften das Thema der Care-Migration als wichtig erachten und worin sie den Mehrwert einer solchen Plattform sehen, erläutern in diesem Jubiläumsbeitrag Stadtpräsident Alexander Tschäppät der Stadt Bern, Geschäftsleiter Max Moor des Spitex Verbandes Aargau und Regierungspräsident des Kantons Basel-Stadt Guy Morin.

 

 

 

 


Alexander Tschäppät,
Stadtpräsident Stadt Bern, www.bern.ch

In der Stadt Bern ist die Erhaltung der hohen Lebensqualität unser langfristiges Ziel. Zur Lebensqualität gehören auch soziale Aspekte wie zum Beispiel eine gute Betreuung zu Hause für ältere Personen. Die Stadt Bern will erreichen, dass die Bernerinnen und Berner ihre pflegebedürftigen Angehörigen so betreuen können, wie es zu ihrer Lebenssituation passt. Entscheidet man sich dafür, diese Pflege Care-Migrantinnen zu übergeben, soll dies unter fairen Anstellungsbedingungen geschehen.

Dabei sind Hauptschwierigkeiten die unterschiedlichen Pflegesituationen. Weil jede Pflegelösung individuell verschieden ist, gibt es ganz unterschiedliche Betreuungsaufgaben und Arbeitsbedingungen. Das macht es für Arbeitgeberinnen und Care-Migrantinnen gleichermassen schwierig, sich über ihre Rechte und Pflichten zu informieren. Hinzu kommt, dass diese spezielle Erwerbstätigkeit im Privathaushalt stattfindet, sozusagen unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Das erschwert das Durchsetzen fairer Löhne und korrekter Arbeitszeiten.

Die Plattform CareInfo ist immer zugänglich, bietet in verschieden Sprachen nützliche Informationen für Arbeitnehmerinnen und Arbeitgeberinnen und vernetzt die Care-Migrantinnen untereinander. Sie unterstützt damit gute Care-Lösungen für den Privathaushalt.

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Max Moor,
Geschäftsleiter, Spitex Verband Aargau

Die Spitex ist in den letzten Jahren zunehmend mit dem Thema Care-Migration in Kontakt gekommen und sieht diese Entwicklung schweizweit als eine Realität in der ambulanten Versorgung an und nicht grundsätzlich als eine Konkurrenz. Im Alltag ist daher die Gestaltung der Zusammenarbeit mit Care-Migrantinnen in Bezug auf kommunikative und koordinative Aspekte, sowie einer klaren Definition der Rollen sehr wichtig, dies zum Wohl der Klientinnen und Klienten wie auch der Care-Migrantinnen selbst.

Der Spitex Verband Kanton Aargau (SVAG) schätzt daher das Engagement und die mehrsprachige Website von CareInfo, welche Organisationen, Fachpersonen und Care-Migrantinnen einen zentralen Zugang zu aktuellen Inhalten (z.B. nationales Recht, schweizweit geltende Richtlinien und auch aargauspezifische Informationen) ermöglicht. CareInfo kommt so dem nach wie vor sehr grossen Bedarf an Information, Beratung und auch Klärung der Rechtssicherheit entgegen.

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Guy Morin,
Regierungspräsident Basel-Stadt, www.bs.ch

Rund ein Fünftel der in der Schweiz geleisteten Arbeit ist Sorge-, Pflege- und Betreuungsarbeit. Diese wird grösstenteils von Frauen unbezahlt geleistet. Gehen diese Frauen einer Erwerbstätigkeit nach, wird die Auslagerung der Betreuungsarbeit unumgänglich. Um eine Betreuung der betagten Familienmitglieder in den eigenen vier Wänden zu gewährleisten, beschäftigen immer mehr Schweizer Haushalte Care-Migrantinnen – dies leider oft zu prekären Arbeitsbedingungen.

Care-Migrantinnen stammen hauptsächlich aus Osteuropa. Einige von ihnen reisen um die halbe Welt, um schlussendlich in einer Basler Familie Haus- und Betreuungsarbeit zu leisten. Die Frauen arbeiten und leben meist als 24-Stunden-Betreuerinnen in einem Privathaushalt. Oft im Schatten der Gesellschaft lebend, werden sie kaum wahrgenommen, sind sozial isoliert und der Willkür ihrer Arbeitgeber/innen ausgesetzt.

Ich begrüsse es daher sehr, dass Basel-Stadt der Vernetzungsplattform CareInfo beigetreten ist. Denn Integration wird in Basel gross geschrieben. Wir fördern die Chancengleichheit und es ist mir ein grosses Anliegen, dass alle Menschen, die in Basel leben, Zugang und Informationen zu ihren Rechten und Pflichten erhalten. Mit dem Beitritt zu CareInfo bieten wir ein Angebot an, das den Care-Migrantinnen Zugang zu Recht und Pflicht gewährleistet und ihnen zusätzliche Vernetzungsmöglichkeiten bietet.



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