Zum zweijährigen Bestehen von CareInfo

Zwei Jahre CareInfo: Die Leiterin der Fachstelle für Gleichstellung der Stadt Zürich zieht als Initiatorin und Gründerin der Informations- und Austauschplattform Bilanz und erläutert, warum sich die Fachstelle in diesem Bereich engagiert.

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Anja Derungs

Leiterin Fachstelle für Gleichstellung der Stadt Zürich

Vor zwei Jahren ging CareInfo online, initiiert und gegründet von der Fachstelle für Gleichstellung der Stadt Zürich. Weshalb von uns? Der wachsende, wenig kontrollierte „Arbeitsmarkt Privathaushalt“ betrifft in erster Linie Frauen. Denn nach wie vor wird Fürsorge-, Haus- und Betreuungsarbeit als Frauensache gesehen – gesellschaftlich zwar wichtig, aber trotzdem wenig wertgeschätzt. Weil fast ausschliesslich Frauen Care-Arbeit verrichten, stellen die oft prekären Anstellungsbedingungen und Tiefstlöhne in Privathaushalten eine sogenannt „indirekte Diskriminierung“ nach dem Gleichstellungsgesetz dar.

Dagegen soll die Plattform CareInfo ein Stück weit helfen – mit (rechtlichen) Informationen für Privathaushalte, die eine Haushaltshilfe beschäftigen, aber auch für die Frauen selber, die sich zudem auf der Webseite vernetzen können.

Seit der Gründung vor zwei Jahren haben auch andere AkteurInnen die Dringlichkeit einer solchen Informations- und Austausch-Plattform erkannt. Die Trägerschaft von CareInfo ist innert kurzer Zeit auf 4 Regionen angewachsen: Zürich, Bern, Aargau und Basel-Stadt. Aus diesen Regionen stammt auch der Grossteil der Besucherinnen und Besucher von CareInfo. Die Website verzeichnet jedoch ebenso hohe Zugriffszahlen aus weiteren Kantonen und Städten. Mit diesen Regionen führt die Fachstelle derzeit Verhandlungen. Denn auch für diese Personen sollen die für ihre Region spezifischen Informationen zugänglich sein. CareInfo soll da informieren, wo Bedarf besteht.

Ich bin nach wie vor von der Wichtigkeit der Webseite überzeugt. Denn das Thema hat keineswegs an Brisanz eingebüsst: Zwar freue ich mich über die jüngsten rechtlichen Erfolge von Einzelpersonen und die zunehmende Präsenz des Themas in der Öffentlichkeit. Doch nach wie vor arbeiten in der Schweiz zahlreiche Frauen in Privathaushalten unter prekären Bedingungen und zu Tiefstlöhnen. 24-Stunden Abrufbereitschaft, nicht ausbezahlte Löhne, nicht gewährte Freizeit – die Schwierigkeiten des unregulierten Arbeitsmarkts Privathaushalt sind zwar hinlänglich bekannt, aber noch nicht gelöst.

Dabei wird Care-Arbeit generell weiter zunehmen. Aktuelle Zahlen des Bundesamts für Statistik zeigen, dass der Aufenthalt in Alters- und Pflegeheimen im Schnitt 8‘700 Franken pro Monat und Bewohnerin bzw. Bewohner kostet. Solange mit einem Bruchteil dieser Kosten Care-Migrantinnen für eine 24-Stunde-Betreuung eingestellt werden können, wird diese private Form von Betreuung attraktiv bleiben.

Umso wichtiger ist es, die Arbeitsbedingungen von Care-Migrantinnen zu regeln. Der Bund beabsichtigt, Ende 2016 konkrete Schritte zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Angestellten im Privathaushalt umzusetzen. Bis dahin soll CareInfo für Care-Migrantinnen und deren Arbeitgebende eine wichtige Anlaufstelle bleiben.



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